Manchmal frage ich mich, wie man oft man dieselbe Sau durch das Dorf treiben kann, ohne dass irgendjemandem auffällt, dass Porky Piggiepig mittlerweile einen stolzen Borstenbart vorweisen kann. Seine Haut wird faltig, das Ringelschwänzchen hüpft nicht mehr lebendig auf und ab. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Buzzword Ingame Advertising. In einem Artikel auf PSFK wird diese Werbeform mal wieder hochgelobt:
“In-game advertising has many advantages including high levels of audience engagement, positive brand associations and the chance to reach members of the public who are hard to communicate with via other types of media. Gamers are most likely to be men aged 18 to 34 — who are an attractive target group for advertisers, and many companies focus on in-game ads that will appeal to them.” (Quelle: PSFK)
Dieser Absatz ist aus mehreren Perspektiven gelinde gesagt Unfug. “high levels of audience engagement” finden zwar mit dem Spiel selbst statt, aber wer schon mal einem konzentrierten Zocker über die Schulter geschaut hat, der wird schnell merken, wie tunnelblickartig er sich auf spielrelevante Inbhalte konzentriert.
Und auch der Punkt “positive brand associations” erschließt sich nicht: Wieso sollten gerade Gamer, die sehen, wie ihr Hobby von Marken penetriert wird, eine besonders positive Einstellung gegenüber diesen Marken entwickeln?
Am meisten habe ich mich jedoch über den Punkt “reach members of the public who are hard to communicate” aufgeregt. Hier wird wieder ein bestenfalls überholtes und schlimmstenfalls tendenziöses Bild des typischen Gamers entwickelt: Sozial so unterentwickelt, dass er durch klassische Werbung in Medien nicht mehr erreicht werden kann. Von Werbung in Städten und Co ist schon gar keine Rede mehr. Hallo liebe Werbetreibende, bitte macht eure Hausaufgaben!
Einzig zustimmen kann ich, dass Gamer an sich eine relevante und wichtige Zielgruppe für Werbetreibende sind. Doch mit klassischen Bannerkonzepten wird in den Spielen kein Unternehmen einen Stich machen. Ingame Advertising sollte wie Social Media behandelt werden: Es bedarf einer neuen Form von Konzeption und Kommunikation, denn diese Werbung dringt in einen sehr sensiblen Bereich vor: das persönliche Hobby. Sinnvolle Integrationen erschließen sich mir hier aktuell nur bei Sportspielen, die bereits seit jeher stark von Werbung & Sponsoren geprägt sind.