Nachdem eine holde, nicht näher zu nennende Dame nach einer eindrucksvollen Nacht mit diversen Lädierungen in ihre heimische Höhle einmarschierte, kam ich nicht umhin, einige wertschätzende Blicke auf ihre „Errungenschaften“ zu werfen. Also die Verletzungen. Ohne jetzt wie ein Lüstling klingen zu wollen, hatte es mir der verstauchte Mittelfinger besonders angetan. Besondere Symbolkraft entfaltete er, nachdem ihn am nächsten Tag ein prächtiger Verband zierte.
„Welch schlüpfriger Schelm“, dürften die zotigen Gewächse beim Lesen dieses Beitrags denken. Doch weit gefehlt! Der verbundene Mittelfinger war keinesfalls Objekt eines ungewöhnlichen Fetischs, den ich ausleben möchte. Nein, der verbundene Mittelfinger trug eine Botschaft, die sich auf dem ersten Blick vielleicht nicht erschloss: Er ist als Auszeichnung zu verstehen!
In einer Welt, in der man von Verantwortung und Regeln eingegrenzt wird, ist der ausgestreckte Mittelfinger als revolutionäres Statement zu betrachten: “Mit mir nicht!” hört man die holde Protagonistin förmlich in die Welt hinausschreien. Wenn der Mittelfinger dann im Akkord zu jeder Gelegenheit gezückt wird, ist die daraus resultierende Sehnenscheidenentzündung nichts weniger als ein persönliches Opfer im Kampf gegen die Unterdrückung.
Diese Sehnenscheidenentzündung am Mittelfinger ist die kleine Schwester von Autobomben, Selbstmordattentaten und Massenkrawallen. Sie ist Beweis für gelebten gesellschaftlichen und zwischenmenschlichen Prostests. In diesem Sinne: