Als Exilbremer kehrte ich vor zwei Wochen nach Bremen für ein Wochenende zurück und machte einen Besuch beim Klimahaus. Und ich muss sagen, ich war maßlos enttäuscht und kann die positive Berichterstattung nicht verstehen. So war der Weserkurier begeistert und eben schloss sich Radio Bremen 1 dem Bericht an. Absolut unverständlich!
Zunächst ist es bestimmt fraglich, im Bericht den Pressesprecher des Klimahaus zu zitieren, wenn es um die Funktionstüchtigkeit der Ausstellungselemente geht. Was soll er denn groß sagen? “Natürlich funktioniert angeblich ein Großteil der Ausstellungsstücke…”, für solche Aussagen ist er eben Pressesprecher geworden. Selbst recherchieren wäre da nicht verkehrt gewesen.
Die langen Schlangen waren zumindest an meinem Besuchswochenende hausgemacht: Wenn an einem Samstag – mit trübem Wetter – nur 50 % der Kassen geöffnet sind, muss man sich über solche Zustände und lange Schlangen nicht wundern. Das hätte ich für eine gute Ausstellung gerne in Kauf genommen, doch das war ja erst der Anfang: Für einen stolzen Preis von 12,50 Euro kann man erwarten, dass alle Ausstellungsstücke funktionieren – oder zumindest der Großteil. In den Fotokästen fehlten in 50 % aller Fälle die Fotos, das Wegeleitsystem bestand aus Papierzetteln, die mit Tesafilm an die Wände geklebt wurden und viele Ausstellungsstücke, die eigentlich zum Mitmachen einladen, funktionierten schlichtweg nicht.So hätte man sicherlich spannend die Auswirkungen einer Sturmflut auf ein Halligdorf selbst erleben können, wenn… ja wenn denn die Pumpe nicht nur ein leises Röcheln von sich gegeben hätte, sondern etwas, dass einer Sturmflut auch nur ansatzweise nahe gekommen wäre.
Bleistiftlinien an den Wänden hätte man ebenfalls entfernen können. Aber so zimperlich will man ja bei den offensichtlichen Schwächen gar nicht mehr sein!
Dazu ein Introfilm, der maximal den Charme einer durchschnittlichen Versicherung hat und Kindern Wörter in den Mund legt, die hanebüchen sind: Welches Kind spricht von “Ich KÄMPFE für meine Zukunft” oder “Damit es meinen Kindeskindern gut geht…”? Einfach nur traurig. Immerhin war der Flyer, den man bekam, ähnlich unterirdisch: Mit Stockphotos macht man einfach kein solides Design. Punkt. Aus. Somit siedelten sich audiovisuelle und Printmedien auf ähnlich niedrigem Niveau an. (Für Lacher sorgte übrigens das Einblenden der Schrift mit schreibmaschinenartigen Stilmitteln: Wenn schon so eine Idee, dann hätte man auch daran denken können, dass keine Schreibmaschine dieser Welt über eine ung-Taste verfügt)
Insgesamt funktionierte nach einer groben Schätzung ca. 50 % der Ausstellung nicht. Dazu eine Art von Lieblosigkeit, die Ihresgleichen sucht. Beispiel: Das Buch, das Gipfelstürmer zu einem Kommentar einlädt, ist gut gemacht. Schade nur, dass sich anscheinend keiner für Erneuerung verantwortlich fühlt und so keine neuen Kommentare hinzukamen. Dazu baumelten Kabel aus jeder zweiten Wand und spätestens nach der ersten, angestrengt optimistischen Stunde fragt man sich, ob das wirklich alles ernst gemeint ist.
Die Installationen selbst sehen aus, als würden sie schon seit 15 Jahren in Betrieb sein.Was zu einer interessanten Mischung führt: Man besucht eine Ausstellung, die an allen Ecken und Enden ihre Unfertigkeit hinausbrüllt und gleichzeitig schon bei Eröffnung überholt ist. Alle Räume sehen schmuddelig und abgenutzt aus und man hat ernsthaft das Gefühl, dass sich die Macher mit dem Klimahaus schlichtweg übernommen haben. Wie man es richtig macht, hätte man sich einfach beim Auswandererhaus abschauen können.
Geradezu gefährlich waren einige Installationen: Die riesige Getränkedose spendiert eine 1-2 Milimeter dünne Stahlkante auf Kopfhöhe und um Folgeraum gibt es eine weitere Stahlkante, die gerade für Kinder extrem gefährlich ist.
Ich kann nur jedem empfehlen, mit seinem Besuch mindestens noch ein Jahr zu warten. Das, was mir an dem ersten Wochenende an Unfähigkeit, Unfertigkeit, Lieblosigkeit und unzeitgemäßen Ideen entgegen schwallte, war mehr als erschreckend. Wenn man bedenkt, dass wir zu viert für eine unfertige Ausstellung 50 Euro bezahlt haben, dann kann man nur noch den Kopf schütteln.Ich kann nur jedem empfehlen, lieber noch einmal in das charmantere und vor allem bessere Auswandererhaus zu gehen, als sein Geld hier zu versenken.
Klimahaus? KLI-MY-ASS!!!
One Comment
1 lea wrote:
Jawoll! Jawoll! Jawoll!
So eine herbe Enttäuschung, unfassbar – mir läuft es immer noch kalt den Rücken herunter. Immer wenn ich an’s Klimahaus zurückdenke habe ich wieder diesen herben Gestank in der Nase. Das hast du ganz vergessen zu erwähnen – das Klimahaus stinkt! Und das partiell so heftig, dass ich mich trotz stabilen Magen oft an der Grenze des Übergebens befunden habe. Mal ganz abgesehen von diesem Horror-Regenwald, in dessen vollkommener Dunkelheit bestimmt schon einige Kinderleichen liegen. So roch es dort nämlich.
Bitte, bitte – geht dort noch nicht hin.