… oder die Entdeckung der Lebenslust der Generation 50+. An allen Ecken und Enden schallt es uns entgegen: Die ältere Generation ist der Markt der Zukunft. Die alten Menschen sind es, die noch über das nötige Kleingeld verfügen und vor allem die immer knapper werdende Ressource Zeit freigiebig verschwenden können.

Zeitgleich dazu hat sich jedoch auch die Einstellung der älteren Generation geändert: Während alt sein vor 30 Jahren noch das stille Dahinvegetieren auf dem Wanneeikelschen Schützenumzug bei Bier und Korn bedeutete, erhielt auch hier der – zumindest seit Obama – so oft zitierte „change“ Einzug: Die Generation 50+ ist heute die wahre Spaßgeneration! Während die Jungen schuften und sich immer neue Bezeichnungen für ihre geschundene Generation ausdenken, können sich die Älteren bequem auf das Wesentliche konzentrieren: Vergnügen.

Daher reicht es heute bei weitem nicht mehr aus, piefige Busreisen zu den Startgebieten des Vogelzugs an der Fulda anzubieten. Auch Heizdeckenverkäufer werden den Wandel zu spüren bekommen. Die heutige Generation 50+ will das volle Programm: Ein Cocktail aus Endorphin, Adrenalin und anderen Nettigkeiten der körpereigenen Gefühlsküche. Die Rentner von morgen nehmen bereits jetzt schamlos Wörter wie Action, cool oder Lifestyle in den Mund.

Daher sollten in Zukunft Rückzugsgebiete des alternativen Lebensgefühls – namentlich Friedrichshain oder Kreuzberg – nicht mehr tabu sein. Gerade die Extreme locken doch die heutige Generation 50+ an. Sie können in Erinnerungen an die gute alte Zeit von APO und anderen schöngeistigen Ideen schwelgen. Wieso sollte man diese Menschen gerade zu Krawallzeiten wie dem 1. Mai in diese Stadtteile holen. Ähnlich dem klassischen Folkloreausflug zu ethnischen Minderheiten können sie dort einmal den herben Duft von Krawall schnuppern. Freilich ohne festzustellen, dass die politische Motivation bereits schnöder Gewaltlust gewichen ist.

Alles, was findige Reiseveranstalter brauchen, ist ein ausgedienter Wasserwerfer. Und schon ist es möglich, Komplettpakete zu den Krawallzentren dieser Stadt anzubieten. Stops beim örtlichen Shop für Souvenirs …Revolutionsbedarf gehören dabei genauso dazu wie der Schuss mit dem Wasserwerfer… auf die Ordnungshüter und nur gegen Aufpreis. Das versteht sich natürlich von selbst.

Doch wer mir hier gleich „Du Kasinokapitalist, du…“ entgegen schmettert, der ist nicht nur schief gewickelt, sondern auch ideologisch verblendet. Das Reisekonzept könnte doch in Zeiten leerer Revolutionskassen zur Refinanzierung des Aufstands genutzt werden. Endlich keine Sturmhauben aus chinesischer Kinderarbeit, sondern Masken aus 100 % Baumwolle und vollkommen „fair trade“. Die Welt könnte so schön sein…

Wer sich diese Idee unter den Nagel reißen wird, ist aktuell noch vollkommen unklar. Wie so oft werden sich auch hier die Globalkonzepte Kommunismus und Kapitalismus in einem erbittertem Kampf gegenüber stehen. Mir soll es recht sein, solange ich die Lorbeeren für diese Idee ernte, denn ich habe sie heute entdeckt. Die große Marktlücke.

Der all inclusive Gewalttourismus für die Generation 50+.