Spätestens seit den Kampagnen von Benetton in den frühen 90er Jahren ist klar, dass nicht nur “Sex sells”. Auch der Schockmoment ist immer wieder gern genommenes Vehikel, um Geschichten in den Medien zu platzieren. Schauen wir uns die aktuelle Medienlandschaft mal an, sind doch 80 % aller Nachrichten negativ besetzt. Weil wir wohl Lust an Schrecken und Skandalen haben. Doch das soll nur am Rande das Thema meines Eintrags sein.
Mit GTA San Andreas veröffentlichte Rockstar Games vor einigen Jahren nicht nur ein großartiges Spiel, sondern sorgte mit dem sogenannten “Coffee Mod” für Furore. Zumindest in den prüderen Landstrichen unseren Planeten.
*hust* Amerika *hust
Eigentlich stellte die Coffee Mod nichts Schlimmes dar, zeigte sie doch lediglich zwei Menschen, die sich auf recht explizite Form zeigten, dass es wohl eine gewisse Zuneigung zwischen ihnen geben muss. Dies war jedoch Anlass für die Moralhüter im Land der unbegrenzten Möglichkeiten (und nicht nur dort), das flammende Schwert der Tugend zu zücken und eine ganze Branche unter Generalverdacht zu stellen. Gebracht hat es nichts. Zumindest nicht den Moralwächtern. Die Verkaufszahlen von GTA San Andreas wurden durch die riesige Präsenz in den Massenmedien enorm angekurbelt.
Rockstar Games scheint sich an dieses Ereignis mit Wohlwollen zu erinnern. Zumindest ist das der offensichtliche Grund dafür, wieso im aktuellen Zusatzinhalt GTA IV: The Lost and Damned ein vollständig entblößter Mann einen Monolog hält. Leider nicht über die Wonnen der Freikörperkultur, sondern über den Reiz des Verbrechens. Rockstar Games scheint damit den Eklat forcieren zu wollen um so wieder einmal einen Platz im voll besetzten Zug der Massenmedien zu ergattern.
Ein Plan, der wahrscheinlich aufgehen wird. Schade eigentlich, denn mit einer authentischen Geschichte über den Aufstieg und Fall einer amerikanischen Rockergang hätte GTA IV: The Lost and Damned auch so das Potenzial zu einem echten Verkaufshit gehabt.